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wilde
kurdistan

a lecture

 Do.   11|06|15   18h

medialounge um sechs

ZKM_medialounge

lorenzstr. 19 karlsruhe, germany

 

 
 

 

Der Versuch etwas Gutes zu tun oder eine wilde Reise durch Kurdistan
Text: Hauke Marczinkowski, Fotos: Clemens Pasch, Reisezeit Mai / Juni 2015

Autos sind die Leidenschaft von Helmut Marczinkowski, langjähriges dzg-Mitglied. Bei Hauke, seinem Sohn, sind es eher die Begegnungen mit der Bevölkerung in den bereisten Ländern. Er ist neugierig, will wissen, was wirklich los ist. Hauke hat Zweifel, dass das, was uns die Medien vermitteln, das Verbindliche ist.

Bereits seit Jahren nimmt Helmut an der Allgäu-Orient-Rallye teil. Sie führt jedes Jahr von Oberstaufen im Allgäu nach Amman, der Hauptstadt Jordaniens (www.allgaeu-orient.de). Es ist Abenteuer, aber vor allem hat diese Rallye einen sozialen Aspekt und entsprechende Spielregeln. Die teilnehmenden Autos müssen mindestens 20 Jahre alt sein und werden am Ende verschenkt. Am Zielort werden die Fahrzeuge zerlegt und die Teile verkauft. Der Erlös kommt sozialen Einrichtungen zugute. Eine Käserei, eine Wasseraufbereitungsanlage, Stipendien für Studenten, Hörgeräte, Cochlea-Implantate, Rettungsfahrzeuge, Rollstühle und sogar ein kleiner Wald sind beachtenswerte Ergebnisse der letzten zehn Jahre. Auch in diesem Jahr hat Helmut wieder ein Team organisiert, diesmal von drei Fahrzeugen.

Für Hauke, der sich dem Team mit ei­nem uralten Mercedes und zwei Freun­den bis Ankara anschließt, wird es weit­er Richtung Osten gehen, während die anderen über den Hafen in Mersin nach Israel und schließlich über den einzigen Grenzübergang nach Jordanien weiter­ fahren. Die abenteuerliche Autoreise bis nach Kurdistan von Hauke und seinen Freunden können wir hier nachlesen.

 

In Kurdistan

Nach einigen Zielen im Osten der Türkei erreichen wir - das sind außer mir noch Clemens und Joni - mit einem 28 Jahre alten Mercedes die Grenze zum Irak. Alle ausländischen Autos, die älter als zwei Jahre sind, werden registriert. Fahrgestell­nummer und Kennzeichen werden festge­halten. Somit ist von vornherein klar, dass wir hier unser Auto nicht veräußern kön­nen. Ohne Auto kommt der Halter nicht mehr aus Kurdistan raus. Nach einigen Stunden an der Grenze wird der Kopf­schmerz unerträglich . Das Pochen bei mir und Joni schlägt aufs Gemüt, Schlafde­fizit tut sein Übriges. Ich glaube, es liegt an der niedrigen Oktanzahl des Benzins, die hier bei 85, maximal bei 87 liegt. Cle­mens bemerkt daneben noch eine Note von Schwefel in der Luft. Vielleicht sind es aber auch fehlende Partikelfilter bei den Fahrzeugen oder gar die Unmengen Liter Öl, die aus Versehen daneben gehen, viel­ leicht auch die brennenden Müllhalden.

Irgendwann abends gegen 21 Uhr sind wir dann im Land. Wir gehen noch etwas essen, es ist inzwischen Mitternacht. Cle­mens spontan im Restaurant : »Ich nehm mir mal ein Bier!« Einfach an den Kühlschrank gehen, sich ein Bier nehmen und auf Deutsch die Absichten erklären. Bei der Rechnung stellt sich heraus, dass der Besitzer für uns gezahlt hat. Er freut sich, ausländische Reisende zu begrüßen und heißt uns in seinem Land willkommen . Das berührt uns! Die Nacht verbringen wir ein paar Kilometer weiter, in einer Ortschaft, zwischen zwei Lkw in unserem Mercedes.

Wir werden am Auto um halb sieben Uhr morgens von ein paar Typen geweckt. Erst denken sie, wir seien Terroristen, da wir Bärte tragen, was offensichtlich für Kur­ den ungewöhnlich ist. Es stellt sich schnell heraus, dass wir das nicht sind. Dann lädt man uns zu chai und frischem, selbstge­backenem Fladenbrot (nan) am Auto ein. Sie sind neugierig und fragen uns 1.000 Dinge.

Autonome Provinz Kurdistan, das Land, wo Öl und Super fließen, prächtige Altöl­kanäle die Straßen säumen und Tankstellen wie Pilze aus dem Boden schießen. Wenn es nach den meisten Kurden geht, so gäbe es hier bald ein neues Land. Wie ich finde, sind sie auf dem besten Wege dorthin: An den Grenzen wird kurdisch gesprochen, die Polizei ist kurdisch und die Menschen hier sehen sich als Kurden, nicht als Iraker und schon gar nicht als Araber. Ob das die Nachbarländer so gerne sehen?

 

Mit Kupplungsschaden in Arbil

Wir brechen auf gen Wasserfall. irgendwo im Norden von Kurdistan ist ein schönes Gebiet im Touristenführer beschrieben. Gesucht und gefunden - leider „terrortourisiert“. Lauter Blechbuden und Plastik, die uns den Tag versüßen sollen. Wir haben keine Lust darauf und drehen wieder um, Richtung Koya, zu unserem Freund Ali. Auf dem Weg lässt uns ein fieses Knacken im Kupplungsbereich erstarren . Die Kupplung ist endgültig hinüber. Wir kommen aber gar nicht dazu zu verzweifeln, denn auf der Stelle sind einige hilfsbereite Kurden da, die uns zur nächsten Werkstatt schleppen. Dort stellt der Mechaniker leider fest, dass sie kaputt ist und er nichts machen kann. Ein Abschleppwagen wird organisiert und auf geht's nach Arbil.

Wir finden einen kompetent wirkenden Mechaniker. Er spricht fließend Englisch und Fanzösisch und sogar etwas Deutsch. Sehr freundlich mit wachen Augen und einem ungewöhnlich großen, schwarzen Bart. Unser Host Ali meint, dass dies ein Salatist sei. Sehr schön, wie weit der positive Eindruck des Mechanikers von der negativen Belegung des Begriffs Salatist abweicht, den wir aus Deutschland mitgebracht haben. Er repariert das defekte Teil, eine Art Gummi innerhalb der Kupplungsstange und verlangt einen sehr korrekten Preis. ln Deutschland hätten wir das Zehnfache bezahlt. Ich sollte ein Prakti­ kum bei ihm machen.

 

Ali kennt sich aus

Mit dem reparierten Mercedes geht es im Konvoi mit Ali nach Koya, Falafel essen, Bier und Raki trinken. Ali ist ein wandelndes Lexikon. Er erzählt über PKK-Einheiten in den kurdischen Bergen, die fast nur aus Frauen bestehen, von den bergsteigen­ den Schäfern und Guerillakämpfern in den Bergen, von türkischen Kampfjets, die immer wieder Ziele in den Bergen Kurdistans be­schießen. Es sei be­merkt, dass Kurdistan keine Luftabwehr be­sitzt, geschweige denn eine Luftwaffe.

Ali kann auch viel über Kraftstoff- und Motoröl­herstellung erzählen . Er ist Petrochemiein­genieur, bevorzugt aber das Unterrichten an der Universität von Koya. Er hat eine schöne Lebens­formel: er isst, wenn er hungrig ist, schläft, wenn er müde ist, steht auf, wenn er wach ist. Dies antwortet er auf die Frage, wann er denn aufstünde, um an die Uni zu gehen. Wie­ der ist ein langer Tag vorbei. Todmüde fallen wir ins Bett.

Am nächsten Morgen überlegen wir, wie es weitergeht: Auto verkaufen? Geht zumindest hier nicht. Verschrotten? Wohin gehen? Konsulat - und dann? Vielleicht spenden, einer NGO oder dem Staat, vielleicht den peshmergas schen­ken. Sollen wir durch den Irak fahren, an Baghdad vorbei und dann direkt nach Jordanien? Das Risiko auf uns nehmen? Bekom­men wir das Auto aus dem Pass ausgetragen? Den Pass als verloren melden? Oder doch die Tour nach Kuwait und von dort über Saudi-Arabien nach Jordanien? Wir rufen meinen Vater an. Er ist mit seinem Team fast in Amman. Es wird uns klar, dass wir es nicht rechtzeitig nach Amman schaffen.

Später diskutieren wir mit Ali unser Vorhaben. Iran können wir streichen, weil uns das Visum fehlt. Wir brauchen zwei Wochen um es zu bekommen und außerdem müssten wir wieder in die Türkei. Also geht es am nächsten Tag nach Arbil. Dort erhoffen wir uns Unterstützung vom deutschen Generalkonsulat. Wir wollen nachfragen, ob die dortigen offiziellen Vertreter Deutschlands Tipps für Staatsangehörige haben, die in Kurdistan ihren 28 Jahre alten Pkw loswerden wollen.

 

Wieder in Richtung Norden

Den Besuch im deutschen Konsulat hätten wir uns sparen können. Es wird nun telefoniert und Entscheidungen werden gefällt. Erstens: Der Mercedes soll nach Tblisi in Georgien. Die Eltern einer georgischen Freundin von Clemens sind zurzeit dort und verkaufen ihre Autos. Welch ein Zufall! Also dorthin und die Karre verhökern. Zweitens: Wir werden Karim Nanam besuchen, einen Lokalpolitiker in Dohuk. Den Kontakt erhalten wir über einen anderen Bekannten. Karim spricht perfekt Deutsch, denn er lebte 20 Jahre in Karlsruhe. Er hat Zeit für uns und möchte uns herumführen.

Wir verabschieden uns von Ali und machen uns auf den Weg nach Dohuk, einer Stadt auf halbem Wege zwischen Mosul und der türkischen Grenze. Die Ankunft verzögert sich jedoch. In Akre halten wir, um was zu essen. Clemens vergisst den Schlüssel im Auto und schließt ab. Drei Stunden dauert es, bis ein professioneller „Autoknacker“ kommt und die Karre innerhalb von drei Minuten öffnet. Innerhalb dieser drei Stunden bleibt genug Zeit, sich mit den hier anwesenden Leuten zu befreunden. Clemens hätte nie gedacht, in der Brotbäckerei einen dort angestellten irakisch-arabischen Flüchtling aus Mossul zu treffen, der ein großer Eminem-Fan ist. Es werden ein paar Tracks gemeinsam gehört.

Karim erwartet uns in Dohuk. Ihn zu treffen gestaltet sich jedoch als schwierig. Schließlich treffen wir uns auf einem Volksfest zu Ehren der Stadt und der peshmerga. Volksfeste sehen hier doch ein wenig anders aus als bei uns zu Hause. Es werden Soldaten verehrt und von jung und Alt besungen und betanzt. Eine fünf Meter hohe Statue eines Peshmerga-Soldaten ist der Mittelpunkt des Festes. Sogar die meisten Kinder laufen in Uniform umher. Wieder ist die Freude über unsere Anwesenheit enorm. Allmählich müssen wir „Fotoshootings“ ablehnen. Insbesondere wegen Joni, der eine traditionelle Hose trägt, herrscht Andrang. Doch seine Leibwächter halten die Menge auf Abstand. Wir sehen offenbar wichtig aus und so werden uns persönlich die neuesten kurdischen Erfindungen gezeigt, zum Beispiel ein ferngesteuertes Gewehr.

Endlich treffen wir Karim. Er scheint hier bekannt und respektiert zu sein. Wir erfahren viel über den Status quo der kurdischen Autonomieregion. Nicht ganz frei von Pathos stellt er seine Heimat als eine Insel des Friedens oder als eines der einzigen Bollwerke in der Brandung des Islamischen Staats dar. Das wird auch in Europa so gesehen. Deshalb gelangen europäische Waffenlieferungen hierher. So kam es, dass in den letzten Monaten Milan ein beliebter Jungenname für Neugeborene wurde. Warum? Weil Panzerabwehrraketen vom Typ Milan, die von Deutschland an die Kurden geliefert wurden, unglaublich effektiv sind. Als der IS Mitte 2014 Mossul eroberte, fielen ihnen unzählige gepanzerte Wagen und andere schwere Waffen in die Hände. Mit diesen bekämpfte der IS fortan die Kurden. Peshmerga kämpfen in der Regel mit ihren eigenen Kalaschnikows. Diese sind jedoch unbrauchbar gegen gepanzerte Fahrzeuge. So war die Lieferung dieses speziellen Waffensystems eine Erlösung für die bedrängten Kurden. Die oben genannte Namenwahl für Neugeborene und die Sympathie gegenüber Deutschen ist die Folge.

Karim erklärte auch die Bedeutung des Wortes peshmerga: „Der, der sein Leben in der Hand hält und es jemand Anderem anbietet“, also einem anderen Menschen. Keinem Gott. Ein Peshmerga ist per Definition also ein Verteidiger mit humanistischem Grundgedanken. Kein Aggressor. Es seien auch keine Kriegsverbrechen durch Peshmerga bekannt.

Auf dem Fest wird der Trubel dennoch größer und es wird schwer, sich vor den Paparazzi zu drücken. Wir müssen los. Im Konvoi mit Karim fahren wir in ein Restaurant. Selber zahlen? Keine Chance! Wir werden wie immer eingeladen, diesmal von einem fremden Gast - ebenfalls Politiker-Lobbyarbeit im Restaurant.

 

Dohuk, eine Stadt im Brennpunkt

Karim lädt uns ein, am nächsten Tag mit ihm ein Flüchtlingslager zu besuchen. Also entscheiden wir uns, eine Nacht in Duhok zu bleiben. Hotel, Hostel, Zelten? Keine Chance. Wir müssen in der luxuriösen Wohnung von Karims Neffen übernachten. Er ist ebenfalls peshmerga, wie fast jeder, den wir fragen. Entweder ist er es, war es oder wird es sein.

Aufwachen, Aufstehen, ab ins Flüchtlingslager, los Richtung Georgien - so war der Plan. Es kommt ganz anders. Als Erstes erwartet uns Diplomatenarbeit. Wir fahren ins Stadtparlament von Dohuk. in einem großen, sehr gemütlichen und prunkvollen Aufenthaltsraum trinken wir chai und treffen mehrere Abgeordnete. Wir erfahren viel über die aktuelle Situation, zum Beispiel, dass die Stadt und der Umkreis nun 2,1 Millionen Einwohner hat, davon sind über 800.000 Flüchtlinge. Dies ist schwierig zu handhaben . in Deutschland gibt es nur einen Bruchteil dieser Zahl von Flüchtlingen pro Kopf, dennoch macht sich Unmut breit, insbesondere geschürt von bestimmten politischen Kreisen.

Nun sind wir zu einer Audienz beim Bürgermeister geladen. Er war ein berühmter Peshmerga-Kämpfer, der unter anderem ein Auge im Kampf gegen Saddam Hussein verlor. Er präsentiert sich patriotisch und militant und gibt uns Aufgaben mit auf den Weg: Wir sollen in Deutschland über den Kampf der Kurden berichten. Er tätigt einige Anrufe und regelt, dass wir noch heute eine Peshmerga-Einheit besuchen können. Nach einem weiteren Interview mit der Presse geht es erst einmal los in Richtung Flüchtlingscamp.

Wir besuchen das Sharya-Camp in der Nähe von Dohuk. Schon aus der Ferne ist es sichtbar. Ein Meer von weißen Zelten. Wir treffen zuerst die Campverwaltung. Es werden Zahlen genannt: Eröffnung: 10.11 .2014 nach der ersten Flüchtlingswelle. 4.000 Zelte, 3.31 3 Familien, 18.413 Menschen. Fast ausschließlich Jesiden aus dem Sindschar-Gebirge. Das Camp wird von Regierungs- und Nichtregierungsor­ganisationen sowie von Hilfsvereinen fi­nanziert. Unter anderem sind Deutschland und auch die Türkei daran beteiligt. Die Verwaltung von Dohuk stellt die Leitung des Camps. Zwölf Personen verwalten das Camp, 21 Personen sind für Wasser, Strom und Müllentsorgung verantwortlich, ledig­lich 15 Polizisten kümmern sich um die Si­cherheit. Es gibt einige Dutzend Leute, die sich um die sanitären Anlagen kümmern, nur ein einziger Waschmaschinenraum steht zur Verfügung und jede Zeltreihe hat einen Zeltsprecher. Natürlich wird ver­sucht, dass so viele Flüchtlinge wie möglich mit solchen Aufgaben betraut werden .

Wir schauen uns im Camp um. Mit zwei Familien kommen wir ins Gespräch . Beide sind in das Sindschar-Gebirge geflohen, wo sie zwei Wochen ausharrten . Dann kam endlich Hilfe seitens der USA mit Luftoffensiven und dann der peshmerga mit Bodenoffensiven . Schwer dehydriert gelangten die Familien dann zu Fuß ins kurdische Gebiet. Anschließend besuchen wir das „Krankenhaus“ des Camps, Con­tainer an Container. Wir können unsere letzten Spenden abgeben. Es ist nicht viel, doch die Menschen bedanken sich.

Es ist still im Auto, zu viel ist zu verarbei­ten. in der Zwischenzeit zieht ein Sand­sturm auf . Das ist schlecht für uns und für die peshmerga. Sandstürme werden von der IS genutzt, um Angriffe durch­ zuführen. Der feine Sand in der Luft ver­hindert den Einsatz von Drohnen und jeglicher amerikanischer Luftunterstüzung für die peshmerga. Besuch der Front? Zu gefährlich. Karim meint, dass nun eine Situation herrscht, in der es zu Kampf­handlungen kommen kann. Zudem ist bei einem derartigen Sandsturm allein schon der Weg zu den peshmerga gefährlich. Man könnte sich verfahren und plötzlich in einem arabischen Dorf landen, deren Bevölkerung mit der IS sympathisiert.

Wir fahren mit Karim zurück nach Dohuk. Er zeigt uns, wo wir gutes Benzin kaufen können, das nicht unmittelbar die Benzinpumpe verklebt. Er kennt die Tank­ stelle, schließlich sitzt er unter anderem im Öl- und Kraftstoff-Komitee. Erste Info lau­tet: „Kein gutes Benzin mehr da.“ Nach ein paar chai und einigen makaberen Späßen wird doch getankt. Tanken selber zahlen? Kommt nicht infrage! Mit vollem Tank und den Kopf voller Eindrücke und Gedanken machen wir uns auf den Weg Richtung Grenze.

 

Ausreise und Autoverkauf

Die Grenze zur Türkei ist bald erreicht. Überquert ist sie allerdings erst nach lan­ gen sieben Stunden . Zwischendurch fährt uns wieder mal ein Auto in die Seite. Der Blinker geht endgültig kaputt. Als Entschä­ digung bekommen wir 40 Dollar. Diese in­vestieren wir am nächsten Duty Free Shop in Alkohol und Zigaretten. Guter Tausch!

In der Türkei angekommen geht es non­ stop bis zur Grenze nach Georgien. Viel fahren. Panzer im PKK-Gebiet, überteuerte Preise für Kleinigkeiten wie zum Beispiel Handbremse nachziehen für 20 Euro. Es folgt ein erfrischendes Bad in einem Ge­birgssee . Dann erreichen wir die geor­gische Grenze. Bereits hier hätten wir das Auto verkaufen können. Ein Grenzbeamter zeigt größtes Interesse. 500 Euro werden geboten. Wir finden den Preis ein biss­chen niedrig, notieren uns dennoch seine Handynummer.

Tblisi erreichen wir am nächsten Mor­ gen um elf Uhr. Dort treffen wir Irina und ihren Mann. Beide sind Freunde von Cle­mens und freuen sich, dass wir da sind. Wir Essen gemeinsam und können dann spontan zum Autohändler fahren. Er checkt unser Auto und bietet uns einen Preis an: 500 Euro. Haben die sich mit dem Grenzbeamten abgesprochen? Wir handeln und können dann 600 Euro er­ streiten . Das Geld gibt es nach Erledigung von diversen Formalitäten erst viel später. Dennoch sind wir froh, endlich über Qatar in Frankfurt anzukommen.

 

Unterwegs-Sein

Hauke und Joni sind Studenten, Clemens ist Kunsterzieher und Künstler. Hauke wurde sicher von seinem Vater Helmut (dzg-Mitglied seit über 30 Jahren) mit dem Reisevirus infiziert. Gemeinsam haben sie viele Auto-Touren unternom­men, so zum Beispiel nach Ma­rokko, Algerien und Tunesien, waren aber auch in Mittelameri­ka, hier jedoch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ein halbes Jahr (2011) hielt sich Hauke im Rahmen eines Projektes in In­dien auf (http://haukeinindia.blogspot.com). Was denken die Menschen vor Ort? Was kann man von ehemaligen Revolu­tionären in Nicaragua lernen? Was erzählen die einfachen Menschen in Indien? Was befin­det sich abseits der Lonely-Planet-Routen? Das sind Fragen, die Hauke auf Reisen bewegen.

Clemens, der Fotograf des Trios, kennt sich hervorragend in China aus, hat dort 2012 sogar ein Auslandssemester absol­viert. Ist auch in Russland und auf dem Balkan gereist. Seine Webseite www.einserpasch.com.

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